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Volksmotion: Kein zweites Boa-Debakel

11 April 2011 Einen Kommentar

Volksmotion

Kein zweites Boa-Debakel
durch die Wohnüberbauung bei der ehemaligen Butterzentrale

An die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt Luzern

Auf dem Areal der ehemaligen Butterzentrale im Tribschenquartier sollen in unmittelbarer Nähe zum Fussballplatz des FC Kickers, zum Theater Pavillon Luzern und zum Luzerner Jugendkulturhaus Treibhaus Wohnungen gebaut werden. Die Konflikte wegen Lärmemissionen mit den zukünftigen Anwohnern sind vorprogrammiert. Die selbe Problematik hat zur Schliessung des Kulturzentrums Boa geführt.

Wir wehren uns nicht gegen den Hauptsitz der Emmi und die ca. 80 Wohnungen zur Seeseite, aber wir wehren uns gegen die geplanten rund 20 Wohnungen im Wohnblock “C” in 12 Meter Distanz zum Fussballplatz des FC Kickers, 40 Meter Distanz zum Theater Pavillon Luzern und 50 Meter Distanz zum Jugendhaus Treibhaus.

Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift mit, den blühenden Sport- und Kulturbetrieb am Spelteriniweg zu erhalten und zu schützen.

Weiter Infos siehe Anhang oder Beitrag SF DRS Schweiz Aktuell vom 5. April 2011:

www.videoportal.sf.tv

So können Sie uns unterstützen:

* Leiten Sie diese Mail weiter
* Lesen sie die ganze Volksmotion
* Drucken Sie nur die erste Seite der Volksmotion aus
* Unterschreiben Sie: Wichtig: Handschriftliche vollständige Angaben!

und falls sie mögen:

* Sammeln Sie weitere Unterschriften!

Das Wichtigste:

* Senden Sie uns das Formular bis zum Mittwoch, 20. April 2011 (Mittwoch in einer Woche!) ganz – oder auch nur teilweise ausgefüllt zurück an:

Theater Pavillon Luzern
Spelteriniweg 6
6005 Luzern

Unterzeichnen können nur Stimmberechtigte mit Wohnsitz in der Stadt Luzern

Einreichung der Volksmotion, Donnerstag, 21. April, 16.30 h, Haupteingang Stadthaus, Hirschengraben 17

Bei folgenden Kulturorganisationen liegen die Motionsformulare ab Mittwoch, 13. April zur Unterschrift auf:

Kultur-ForumBruchstrasse 53
MO bis DO, 13 bis 17 Uhr; FR geschlossen

Kleintheater am Bundesplatz, Kasse
Mo bis Sa, 15 bis 19 Uhr

Südpol
Bei Bistroöffnungszeiten (MO-FR 11-15h)
und Veranstaltungen (Infos auf www.sudpol.ch)
jeweils an der Bar oder im Büro

Jugendhaus Treibhaus, Bar
am Spelteriniweg

Theater Pavillon Luzern, Milchkasten

Ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Das Motionskomitee

Volksmotion_Wohnüberbauung_Butterzentrale

Informationsblatt Theater Pavillon

Einen Kommentar »

  • Rahel said:

    Ich beschäftige mich im Rahmen meiner Diplomarbeit an der Hochschule Design und Kunst mit der Frage: “Braucht unsere Gesellschaft Kunstaktionsformen und Interventionen im öffentlichen Raum?”
    Ich komme immer mehr auf den Schluss, dass ohne aktive Kultur- und Kunstpartizipation, der öffentliche Raum allmählich verkümmert und privatisiert und dadurch seinem Namen nicht mehr gerecht wird.

    Der folgende Text ist eine Art Erlebnisbericht der letzten 48 Stunden, eine Darlegung meiner Gedanken zum Thema Kulturpolitik und Stadtentwicklung.

    Netzwerke im Komopstorganismus

    „Kennst du schon Rahel Grunder? Sie hat ein spannendes Abschlussprojekt am laufen und ist total gut vernetzt!“, stellte mich meine Theoriedozentin heute einer Studentin des Masterstudiengangs Master of Arts in Public Spheres vor.
    Nach eineinhalb Stunden Diskussion über den Begriff „Public Spheres“ – öffentlicher Raum kam mir kein Smalltalk mehr in den Sinn.

    Mein Argument: Öffentlicher Raum bedeutet offener Raum und ein offener Raum ist nur offen, wird er nicht durch Verhaltensvorschriften und Regeln eingeschränkt, ansonsten handelt es sich nicht mehr um „den“ öffentlichen Raum, sondern um kontrollierten öffentlichen Raum, halböffentlichen oder Privatraum.

    Ihr Argument: Von so einer absoluten Definition kannst du nicht ausgehen. Denn solchen Raum gibt es schlicht weg nicht, hat es nie gegeben. Überall herrschen Regeln und Vorschriften, das war schon immer so. Wir leben innerhalb eines westlichen Rechtsstaates und es gibt verschiedene Formen von öffentlichem Raum. Viel interessanter ist jedoch zu beobachten welche Arten von Aktivitäten im öffentlichen Raum ausgeübt werden.

    „Nichts, eben wird nichts mehr aktiv im öffentlichen Raum getan. Ausser shoppen vielleicht noch und joggen, doch selbst dies unterliegt einem Modediktat unserer Gesellschaft und klammert eigenständiges Denken aus.“
    Und so wird der öffentliche Raum allmählich von den Regeln und Vorschriften, was denn hier oder da getan werden muss oder nicht, verschluckt, zerkaut und ausgespuckt. Was dabei rauskommt sind Räume, die optisch und physisch clean und hermetisch abgegrenzt sind und somit alles „nicht Erwünschte“ per se ausklammern.

    In einer Betonwüste umherirrend steigt mir der Geruch von vergammelnden Müllsäcken in die Nase. Es ist April und viel zu heiss.
    Gerade in diesem Moment wird auf dem Emmiareal die Butterzentrale abgerissen und ein neuer Wohnkomplex soll das klaffende Loch zieren.

    Ich bin hier nicht in Luzern, der Kulturstadt. Ich bin in der Tribschenstadt, der Wohnoase für den mehrbesseren Luzerner Mittelstand. Getrennt durch die Langensandbrücke ist sie neben der Alt- und Neustadt der dritte Stadtteil und macht die Luzerner Stadtregierung unheimlich stolz.
    Das ehemalige Industriegebiet soll nun die Endlösung im Kampf gegen die Wohnungsnot sein. Momentan sind diverse Kulturhäuser wie zum Beispiel das La Fourmi, das Wohnprojekt Industriestrasse, das Frigorex, der Theaterpavillon und der Jugendkulturtreffpunkt Treibhaus sowie das Konzerthaus Schüür in diesem Quartier beheimatet. Sie waren es, die neues Leben in diesen Stadtteil gebracht haben.

    Mir kommt das Bild eines Komposts in den Sinn, wobei mir der Geruch nach Verwesung nicht ganz unpassend erscheint.
    Ein ehemaliges Industriegebiet, ein „ausgelaugter“ Boden, ein altes Gebäude, leerstehend, ausgedient. Ist wirtschaftlich nicht interessant, denn in diesem Stadtteil gibt es nichts ausser den Strassenstrich und Tankstellen. Nicht mal die Aussicht ist bemerkenswert.
    Kaum wird diese tote Hülle weggeworfen, kommen erste Insekten, Würmer und Kriecher und ernähren sich von dem verbliebenen Zellstoff und den Fasern. Es geschieht eine Umwandlung und eine Wiederbelebung. Etwas Neues entsteht und lockt Sommervögel, Bienen und Igel an. Aus Samen, herangetragen von fernen Ostwinden, spriessen Wildblumen und Gräser.
    Die Luft ist erfüllt von emsigem Gebrumme und erfrischenden Düften.
    Ein Ökosystem entsteht und neuer Humus wird produziert.
    Das macht auch die grösseren Tiere neugierig. Wild, Greifvögel, Raubtiere und schliesslich sogar Elefanten. Sie wittern Beute und setzen zum Sprung an.
    So sehe ich die Entwicklung, von der Entstehung eines Kulturzentrums bis zu seiner Auflösung.
    Die grossen Tiere, also Bauverwaltung, Privatinvestoren, Stadtverwaltung wollen möglichst viel Profit aus diesem Ort schlagen, denn die Verwandlung, die Kompostierung hat ganz neue spannende Aspekte dieses Ortes entstehen lassen. Flügel sind zum fliegen da und deshalb müssen die kleineren Tiere, die wendiger und flinker sind weiter ziehen. Dies tun sie auch immer, denn anderenfalls werden sie zertrampelt.

    Ich denke es wird unterschätzt, welchen Stellenwert die Kultur in unserer Städteplanung trägt, denn ich bin der Meinung, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Fruchtbarkeit unseres Stadtraumes beiträgt. Ohne kulturelle „Vorbearbeitung“ und „Aufwertung“ gewisser Zonen kann kein frischer Humus für die Grundlage neuer Stadtviertel gebildet werden.
    Ob die Kulturlandschaft der Stadt Luzern weiterhin bereit ist, diese Aufgabe so selbstlos zu übernehmen ist fraglich!

    Rahel Grunder, 14.4.2011

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